Der ein oder andere wird sich wohl bei meiner Schilderung zu dem Thema wieder gefunden haben. Das trifft natürlich auch auf mich zu.
Bist Du Fotograf oder Opfer des Technikkults?
Was macht ein gutes Foto aus? Ist es die Kamera? Hierzu ein altbekannter Satz: „Es ist nicht die Kamera, sondern die Person dahinter“ Dieser Satz sagt einfach Alles! Und dennoch dreht sich das meiste was in Fotoprintmedien und im Internet geschrieben wird, hauptsächlich um die Hardware. Ich finde das schade. Wieso ist das so?
Folgende Gründe sind meiner Meinung nach dafür verantwortlich:
Zum einen ist die Industrie darauf ausgerichtet ständig zu wachsen. Und daher wird andauernd neue Hardware auf den Markt geworfen. Um diese dem Kunden auch verkaufen zu können, wird mit Mythen und Lügen im großen Stil Marketing betrieben.  Mit immer mehr Pixeln kann man z.B. immer noch Fotografen dazu bringen, Ihr altes Equipment durch neues zu ersetzen. Auch mit neuen ausgefallenen und oft fragwürdigen Funktionen.  Printmedien und Internetseiten werden daher von den Hardwareherstellern stark beeinflusst. Auch bekannte Fotografen machen mit, und lassen sich für Werbeaktionen einspannen.
Da heutzutage vor allem  Zeitschriften auf Werbung angewiesen sind und ständig ums Überleben kämpfen müssen, wird für Kunden, die teure Werbung schalten, dankend ein gefälliger Artikel über dessen neueste Hardware verfasst. Artikel die sich mit dem Foto an sich befassen findet man kaum. Es findet sich kein Platz mehr, in der Zeitschrift, da die Anzahl an Seiten vorgegeben und durch die Hardwaretests verbraucht ist.
Der Typ Mensch, der hinter der Kamera steckt, ist auch ein Grund dafür, das es zu einer Gewichtung bzgl. der Fotohardware gekommen ist. Die Mehrheit der Hobbyfotografen sieht sich selber nicht als Künstler. Künstler haben bei vielen Fotografen, besonders bei denen mit technischem Hintergrund, ein eher negatives Image. Künstler sind aber kaum anfällig für Marketing. Und da Künstler bei den Hobbyfotografen die Minderheit darstellen, kommt es eben zu einer Übergewichtung der Hardware. Ein Künstler schert sich nicht um die Kamera! Sie muss einfach funktionieren. Auch surft er nicht stundenlang im Internet um sich einen Kameratest nach dem andern rein zu ziehen. Die meisten Hobbyfotografen tun dies aber, und verbringen mehr Zeit am Rechner als hinter der Kamera.
Auch die Kaufkraft einer Gesellschaft ist meiner Meinung nach ein Grund. Ein Großteil der Fotografen in Deutschland kann es sich leisten öfters das Equipment zu wechseln. Das gleiche gilt für alle westlichen Industrieländer. Und genau aus diesen Ländern kommen auch die meistverkauften Printmedien bzw. meistbesuchten Internetseiten zum Thema Fotografie.
Ein weiterer Grund ist der „Herdentrieb“. Wenn man im Internet Informationen zum Thema Fotografie einholt, stolpert man zwangsläufig über Seiten die einen mit techniklastigen Artikeln und Foren bombardieren. Man ist daher versucht oder z.T. fast schon genötigt, der Masse nachzulaufen. Und wir tun es, wir laufen der Masse blind hinterher.
Fotoequipment zu Kaufen und darüber zu lesen ist bequemer als den Arsch hoch zu kriegen. Haben wir keine Zeit unserem Hobby nachzugehen, aus welchen Gründen auch immer oder sind wir zu bequem, können wir uns mit wenigen Klicks „wenigstens“ die neueste Kamera bestellen und tagelang darüber Tests lesen. Das Belohnungszentrum im Hirn dankt es uns so gleich, wenn auch nur für kurze Zeit. So eine schnelle Befriedigung stellt sich beim „realen“ Prozess des Fotografierens nicht ein. Man muss ja erst mal überlegen was, wo und wann fotografiert wird. Es ist also mit „Arbeit“ und Zeit verbunden. Arbeiten tun wir eh den ganzen Tag, und Zeit haben wir meistens auch nicht.

by Tomi K.
ToKoFoto.de