Yucatan, das Land der Maya, Echsen und Cenoten
(Ein kurzer Reisebericht - 2013)
Start in Cancun
Der Flughafen von Cancun ist die zentrale Anlaufstelle des Tourismus auf Yucatan. Den Mietwagen sollte man im Voraus reservieren. Finger weg von Billigangeboten. Im Falle eines Unfalls ist man bei den Großen der Branche besser aufgehoben. Wir haben 2013 ca. 800Euro für 2 Wochen bezahlt, wobei 600 Euro davon allein auf die Versicherung entfielen. Eine Unterkunft sollte man dennoch für den An-, bzw. Abreisetag  in Flughafennähe buchen. Nach dem langen Flug ist man froh erst einmal ausschlafen zu können. Ebenso ist es entspannter am vorletzten Tag in Ruhe das Mietauto abgeben zu können und das Erlebte bei einem kalten Bier an der Hotelbar Revue passieren zu lassen. Nach der Ankunft holt man also erst einmal das Mietauto und verlässt die Umgebung von Cancun.
Wer einmal in den Dschungel fahren will, sollte nach Calakmul gehen. Diese Ruinenstadt liegt mitten im Dschungel, ca. 70 km von der nächsten Hauptstrasse entfernt. Nur eine schmale Strasse führt dorthin. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird man vor Ort auch Brüllaffen begegnen. Als Übernachtung sei der einheimisch geführte Campingplatz zu empfehlen. Man findet diesen ziemlich zu Beginn der schmalen Straße, wenn man von der Hauptstrasse (der 186ger) Richtung Calakmul abbiegt. Der Campingplatz liegt zur rechten Seite. Ein Schild weist den Weg. Über einen ziemlich steinigen Pfad, der aber mit dem Auto gerade noch befahrbar ist, erreicht man mitten im Dschungel den Campingplatz. Die Betreiber waren Ureinwohner und sehr nett. Das Ambiente vor Ort ist wirklich abenteuerlich und man fühlt sich ein wenig wie ein Forscher auf Expedition. Zelte stehen zum Anmieten bereit. Auf Annehmlichkeiten wie fließendes Wasser oder Strom muss man aber verzichten. Auch sollte man keine Angst vor „Plummsklos“ haben. Nachts kochen die Betreiber bei Kerzenlicht ein tolles Abendessen. Wir hatten Huhn mit Reis und Kakaubohnen-Soße. Zusammen mit einer Hand voll Reiselustigen aus sämtlichen Ecken der Erde war dies ein einmaliges Abendessen. Wahrscheinlich das beste auf dieser Reise.
Auf einem Trampelpfad gelangt man vom Hauptlager zu einem ziemlich wackeligen Hochstand, der über die Baumkronen hinaus ragt. Von dort aus lassen sich nachts die Sterne beobachten und mit etwas Glück tagsüber der ein oder andere Vogel. Wenn man sich traut! Es sollen hier auch Leoparden leben. Für all diejenigen,  die mit Abenteuer dieser Art nichts anfangen können, gibt es in der Nähe auch ein ziemlich überteuertes Hotel. Ein großes Schild am Beginn der Straße Richtung Calakmul weist daraufhin. Wir selbst waren nicht dort, haben nur von anderen Reisenden auf dem Campingplatz davon gehört.
Etwas weiter südlich vom Ort Mahahual entfernt kann man noch menschenleere Strände genießen. Hier empfehlen wir das Kabah-na Eco Resort. Es wird über eine ziemlich schlechte, mit Schlaglöchern übersähte, unbefestigte Strasse erreicht. Aufgrund des schlechten Zustands der Strasse benötigt man ca. 30 Minuten von Mahahual aus, um dorthin zu gelangen. Die kleine Anlage wird von einem Italiener geführt. Die schönen Bungalows, die direkt am Sandstrand liegen, laden zum längeren Verweilen ein. Einziger Wehmutstropfen ist der viele Kunststoffmüll, der überall am Strand angeschwemmt wird. Der Strand der Anlage wird aber täglich gereinigt. Wie ich schon in meinem Blog geschrieben habe, wird hier leider das Ausmaß der zunehmenden Umweltverschmutzung deutlich. Die großen Kreuzfahrtschiffe, die regelmäßig in Mahahual anlegen, tragen ihren Anteil dazu bei. Daher sollte man Mahahual meiner Meinung nach auch meiden. Die Betreiber des Resorts bieten eine Vielzahl an Aktivitäten an. Den Schnorchelkurs sollte man sich nicht entgehen lassen, da dabei auch  auf alle Gefahren im Wasser hingewiesen wird. Ein weiteres Highlight ist die Kanufahrt durch die Mangrovenwälder.
Wie man nicht übers Ohr gehauen wird
Vermeiden lässt sich das leider nie. Aber ich sage immer: „Jeder muss Lehrgeld bezahlen“ Man sollte sich es nicht zu sehr zu Herzen nehmen, wenn man übers Ohr gehauen wird. Auf Yucatan wird man hier leider schnell zum Opfer. Auch uns ist dies mehrmals passiert. Hier ein paar Tipps, die helfen sollen, nicht voreilig das Portemonnaie zu öffnen:
Egal, ob man eine Dienstleistung in Anspruch nimmt oder ein Souvenir kauft. Ein Vergleich mit  den Preisen zu Hause zeigt sehr schnell, ob der aufgerufene Preis in Ordnung geht. Mexiko ist ein relativ armes Land. Das Jahreseinkommen bewegt sich um die 4000 Euro (Stand 2010). Die Menschen haben entsprechend weniger Geld zum Leben. Daher sind Dienstleistungen und lokale Produkte deutlich günstiger als bei uns. Leider wird oft versucht, Preise, wie sie z.B. in Europa üblich sind, an die Touristen weiter zu geben. Kommt man in solch eine Situation, müssen sofort die Alarmglocken läuten. Lasst Euch zu nichts drängen. Atmet kurz tief durch und überlegt, ob ein Einheimischer mit seinem Monatseinkommen hierfür genauso viel bezahlen würde. Kommt Ihr zu dem Schluss, dass man versucht Euch auszunehmen, dann werdet nicht gleich wütend, sondern drückt den Preis! Je weiter Ihr Euch von den Touristenzentren entfernt, desto seltener werden diese Abzockverusche. In Einheimischenrestaurants oder auf Märkten, die von Touristen kaum besucht werden, wurden wir z.B. nie übers Ohr gehauen. Besonders aufpassen muss man am offiziellen Taxistand am Flughafen von Cancun. Man bezahlt das Taxi im Flughafen an einem zentralen Taxischalter. Alles wirkt professionell, so dass man erst einmal gar nicht merkt, über den Tisch gezogen zu werden. Auch hat man anfangs noch kein Gefühl für den Wert der Landeswährung. Unser Hotel war nur 3 Minuten vom Flughafen entfernt, berechnet wurde uns aber die gesamte Fahrt bis ins Zentrum von Cancun, was einer Autofahrt von 30 Minuten entspricht! Und wir waren nicht die einzigen Gäste im Hotel, die auf diese Weise über den Tisch gezogen wurden. „Da beginnt der Urlaub gleich mit Wut im Bauch“.
Tipps zur Sicherheit
In jedem guten Reiseführer sind wichtige Tipps zur Sicherheit und dem richtigen Verhalten vor Ort enthalten. Dennoch möchte ich hier aufgrund eigener Erfahrungen einige zusätzlich aufführen. Dies soll aber niemanden davon abgebbringen, dorthin in den Urlaub zu fahren. In vielen Ländern gibt es Regeln, die man befolgen sollte, um bestimmten Problemen aus dem Weg zu gehen. Je mehr dieser Regeln man kennt, desto entspannter wird die Reise.

Polizei

Korruption ist bei der Polizei in Mexiko weit verbreitet. Man sollte sich nicht allzu viel Hilfe von ihr erwarten. Im schlimmsten Fall kann man sogar von der Polizei selbst bestohlen werden. In einigen Orten gibt es eine spezielle Touristenpolizei, an die man sich im Notfall eher wenden sollte.

Anhalter

Nehmen Sie keine Anhalter mit. An vielen Hauptstraßen auf Yucatan gibt es Fahrzeugkontrollen, die vom Militär oder der Bundespolizei durchgeführt werden. Die Halbinsel muss von Drogenkurieren, die ihre Fracht von Südamerika Richtung USA transportieren, durchquert werden. Die Gefahr, einen Drogenkurier per Autostopp mit zu nehmen ist relativ groß. Auch wir wurden von einem sehr netten Herrn beim Bummel auf einem einheimischen Markt angesprochen. Wir lehnten ab, ihn Richtung Norden mitzunehmen.
Wasser, Eis und Restaurants
Oft heisst es, offene Getränke sollte man meiden. Wir haben in sehr vielen Restaurants, in denen überwiegend Einheimische einkehren, gespeist. Dort haben wir regelmäßig die beliebten offenen Fruchtdrinks genossen. Auch Obst „von der Strasse“, das oft von Kindern am Orts Ein- bzw. Ausgang angeboten wird, bereitete uns keinerlei Magenprobleme. Einmal hat es uns dann aber doch erwischt. Und zwar am vorletzten Abend in der Touristenhochburg „Playa del Carmen“. Nach dem Abendessen ging es rund in unseren Mägen und dies hielt leider auch mehrere Tage lang an. Gerade aber in den kleineren Restaurants und Straßenimbissen außerhalb der Touristenorte bekommt man Gerichte, die es meiner Meinung nach Wert sind dieses Risiko einzugehen. Vor allem schon deshalb, weil man auch in westlich anmutenden Etablissements Pech haben kann, wie unser Beispiel zeigt.
Die wohl bekannteste Ruinenstadt in Mexiko. Meine Frau wollte hier unbedingt hin, also stand dies auch auf unserem Reiseplan. Es ist eine weitläufige Anlage, und die meisten Bauwerke sind vom Dschungel befreit worden. Highlight ist die große Pyramide, die leider nicht mehr bestiegen werden darf. Wer unbedingt dorthin möchte, sollte vor Öffnungsbeginn schon dort sein, um den Horden von Touristen zu entgehen. Meiner Meinung nach kann man sich Chichén Itzá sparen. Es gibt andere Mayastädte, die weitaus interessanter sind, zumal sie noch vom Dschungel bewachsen sind. Dort fühlt man sich eher wie ein Forscher und läuft mit größerer Wahrscheinlichkeit Affen und anderen wilden Tieren über den Weg
Über den Highway 307, ca. 240 km von Mahahual und 115 km von Cancun entfernt, erreicht man die Cenoten. Man sollte unbedingt einen Abstecher zu diesen mit kristallklarem Wasser gefüllten und von der Natur geformten Bädern machen. Am besten verbringt man einen ganzen Tag lang dort, um zu relaxen. Von der Mittagssonne geschützt, kann man unter Palmen direkt neben den Cenoten den Tag verbringen. Auch im Wasser ist man durch die Felsüberhänge vor der heissen Sonne geschützt. Als wir dort waren, gab es kein Restaurant vor Ort. Man sollte seine Verpflegung daher selbst mitbringen. Für Taucher interessant sind die dort angebotenen Höhlentauchgänge.
Wer einmal das Privileg bekommt, die mexikanische Halbinsel zu besuchen, sollte auf keinen Fall den Fehler machen, seinen Urlaub in den Touristenhochburgen rund um Cancun zu verbringen. Yucatan ist viel mehr als diese Ansammlung von Hotels für Pauschaltouristen! Wer das haben will, muss nicht über den Atlantik fliegen. Das bekommt man auch in Europa.
Meine Empfehlung für einen unvergesslichen Urlaub auf Yucatan: Nehmt Euch einen Mietwagen, kauft einen guten Reiseführer (z.B. von Reise Know How)  und bucht keine Unterkünfte im Voraus. Informiert Euch vorher gut über Land und Leute und lernt ein paar Brocken spanisch. Dies wird Euch in Kombination mit etwas Mut und Abenteuerlust einen einzigartigen Urlaub bescheren!
Interessante Orte (ein Vorschlag)
Calakmul
Ob Wasservögel oder Krokodile, hier ist man an der richtigen Adresse. Für Fotografen ein Hightlight ganz im Norden der Halbinsel gelegen. Man chartert ein Boot mit Führer und wird zu den wild lebenden Tieren gefahren. Auch kann man sich an einem weiter gelegenem Ort mit Heilschlamm einreiben. Das haben auch schon die Mayas gemacht. So sagen es zumindest die Bootsführer. Das Naturschutzgebiet ist nicht stark frequentiert, so dass man keine Angst vor Touristenlawinen haben muss. Ein paar Restaurants laden nach dem Erlebten zum gemütlichem Essen ein.
Kabah-na Eco Resort - Link zum Resort
Chichén Itzá
Ein magischer Ort - Cenotes Dos Ojos
Rio Lagartos
Strand und Meer
Achtung! Menschenleere Strände sind traumhaft schön, bergen aber im Wasser die ein oder andere Gefahr. Kleine Rochen im Flachwasser, die sich exzellent tarnen. Ein Fehltritt und man liegt Tage lang mit höllischen Schmerzen im Krankenhaus. Auch die Feuerfische, eine in die Gewässer eingeschleppte Art, breitet sich immer weiter aus. Die Berührung soll ebenfalls unheimlich schmerzhaft sein. Giftige Quallen und Feuerkorallen gilt es auch zu meiden. Als wir in Mahahual waren, haben wir uns die Gefahren von einem netten Guide zeigen und erklären lassen.
Valladolid ist eine typisch mexikanische Kleinstadt. Das hübsche Stadtzentrum mit seinem Park, den Gebäuden im Kolonialstiel und den Restaurants lädt zum Bummeln ein. Unbedingt sollte man einen Abstecher zu den  Schnellrestaurants machen, die eine breite Palette an sehr guten Gerichten anbieten. Ganz in der Nähe befindet sich auch die Ruinenstadt "Ek Balam", die einen Besuch Wert ist.
Valladolid und Ek Balam
Hier noch einige Fotos von Yucatan
Tulum
Touristisch leider überlaufen, aber dennoch sehenswert ist die Mayastadt Tulum. Sie liegt direkt am Meer, wodurch sie sich deutlich von den anderen Maystädten unterscheidet. Von der Mayastadt aus gelangt man direkt an einen mehrere kilometerlangen Strand, auf dem einiges los ist. Dennoch kann ein Spaziergang sehr entspannend sein, da sich die vielen Menschen auf dem langen Strand gut verteilen.
Land und Leute
Grundsätzlich sind die Menschen, denen wir begegnet sind, sehr freundlich gewesen. Man muss sich aber im Klaren sein, dass uns Europäern viele Mexikaner sehr arm erscheinen. Dies wird einem deutlich vor Augen geführt, wenn man mit dem Auto oder Bus das Land bereist. Viele kleine Orte, die man passiert, sind vom Standard der Häuser und Straßen her mit nichts zu vergleichen, das wir in Europa gewohnt sind. Vieles wirkt improvisiert. Viele Häuser würden bei uns als Baracken bezeichnet werden, über die Straßen würden wir nur den Kopf schütteln. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass die Menschen größten Teils glücklich sind. Das war zumindest mein Eindruck. Man benötigt ein paar Tage um sich an all das zu gewöhnen. Kinder laufen barfuß im Staub umher, herrenlose Hunde kreuzen die Strasse, Kühe werden in Ortschaften vor der Haustüre angebunden und Müll liegt auf den Straßen. Männer mit Strohhut fahren zu zehnt auf der Pritsche von Pick-ups zur Arbeit. Bauern transportiern auf ihren Lastenfahrrädern Holz und andere sperrige Dinge, da sie sich kein Auto leisten können. Straßenarbeiter mähen mit Macheten das Gras neben der Fahrbahn. Kinder verkaufen Obst an Ortsein- sowie Ausgängen. So ist das Leben der Menschen in Mexiko halt. Viele Touristen werden dies nie zu Gesicht bekommen, da sie sich nur in den abgeschotteten, all-inklusive-Hotels aufhalten.

by Tomi K.
ToKoFoto.de