Einführung
Die Fujifilm X100 ist schon so etwas wie eine Legende unter den neueren Kameras. Die Presse sowie Tester im Internet überschlagen sich mit Lob bzgl. dieser  Kamera mit Festbrennweite. Da konnte ich einfach nicht widerstehen und habe mir bei ebay eine gebrauchte X100S ersteigert. Als der Postbote dann endlich das ersehnte Paket brachte, konnte ich es kaum erwarten dieses „Meisterwerk“ in Händen zu halten. Also habe ich den Karton aufgerissen und unter einem Berg von zusammengeknüllten Zeitungspapier den Schatz gehoben. Mein erster Eindruck als ich sie in Händen hielt: „Mmhhh, so toll wirkt die aber nicht“! Die hochgelobte Verarbeitungsqualität vieler Tester konnte ich beim Erstkontakt nicht erkennen. Es breitete sich langsam etwas Enttäuschung in mir aus. Nach kurzer Eingewöhnungsphase kam ich aber dann mit der Bedienung der Kamera erfreulich gut zurecht. Die Fotos überzeugten von Anfang an, so dass die anfängliche Enttäuschung über die Verarbeitungsqualität bald der Freude über die grandiose Fotoqualität wich.
Bildqualität
Hier berichte ich rein subjektiv über die Bildqualität der Fuji X100S. Laborwerte kann ich nicht liefern, sie interessieren mich aber auch nicht. Was für mich zählt ist, wie die Bilder auf dem Bildschirm aussehen. Pixelpeeping hat für mich mit realer Bildqualität nichts zu tun. Weiterhin basiert meine Bewertung auf Bildern im JPEG-Format, die direkt von der Kamera generiert werden. Dabei stelle ich die Parameter wie Bildschärfe, Sättigung etc. so in der Kamera ein, dass das generierte JPEG meinen Erwartungen entspricht und ich am Ende so wenig wie möglich am PC nacharbeiten muss. Im Idealfall  ist daher gar keine Nacharbeit am PC nötig.
Batterie und Ladegerät
Batterie und Ladegerät sind erfreulich kompakt gehalten. Bei meiner gebrauchten X100S war leider kein originaler Akku dabei, so dass ich nur eine Aussage über den Akku der Fa. Patona machen kann, welcher mich leider nicht überzeugt. Einen Tagesausflug mit vielen Fotos übersteht der Akku gerade so, obwohl ich hauptsächlich den optischen Sucher verwende. Grundsätzlich ist die Akkulaufzeit bei spiegellosen Kameras mit digitalem Display im Vergleich zu DSLR´s  eher bescheiden. Bei meiner Canon 7D muss ich nie Angst haben, dass mir ein Foto aufgrund eines leeren Akkus durch die Lappen geht.
Fazit
In meinen Augen ist die X100S perfekt für spontane Aufnahmen von Menschen und Orten, egal bei welcher Tageszeit. Als immer dabei Kamera würde sie sich gut machen, sie ist für meinen Geschmack dafür aber etwas zu groß geraten. In meine Jackentasche passt sie jedenfalls nicht hinein. Mit einer Brennweite von 23mm (bei einem Bildsensor im APS-C Format) ist man aber für viele Situationen bestens gerüstet.
Es ist ein schönes Stück Fototechnik, das zugegeben nicht gerade billig ist. Für alle, die sich aus welchen Gründen auch immer für nur eine Kamera entscheiden, ist eine Spiegelreflexkamera egal welcher Preisklasse dennoch die bessere Wahl. In Sachen Vielseitigkeit, Geschwindigkeit und Ausbaufähigkeit kann die Fuji nicht mithalten. Allen anderen kann ich die X100S und dessen Nachfolger nur wärmstens empfehlen.
Bedienbarkeit und Haptik
Hier hinterlässt die Fuji ein gemischtes Gefühl. Die Bedienung ist aus meiner Sicht gelungen. Ist man mit ähnlichen Digitalkameras vertraut, findet man sich relativ schnell zurecht. Die Menüs sind übersichtlich und auch nicht verschachtelt. Der Menüaufbau gliedert sich von oben nach unten und ist in 8 Blöcke aufgeteilt. Wichtige Einstellungen wie Bildwiderholfrequenz oder Belichtungsmessmethode sind über eine Schnellwahltaste abrufbar, so dass man nicht gezwungen wird das große Hauptmenü aufzurufen. Dies beschleunigt die Handhabung sehr. Weiterhin ist das Verstellen von Blende und Verschlusszeit optimal gelöst. Die Verschlusszeit wird über ein separates Einstellrad oben auf der Kamera und die Blende über einen Blendenverstellring direkt am Objektiv bedient. Dies ist für mich die beste Lösung und sollte so zum Standard an jeder Kamera werden. Back to the roots! Der Blendenring sowie das Verschlusszeiteneinstellrad machen einen sehr wertigen Eindruck und sind aus Metall gefertigt.
Display
Die Auflösung des Displays ist völlig ausreichend. Die Bilder werden scharf wiedergegeben und die Farben stimmen subjektiv betrachtet mit denen am Computerbildschirm überein. Schade ist, dass das Display nicht schwenkbar ist. Auf ein Touchdisplay muss man auch verzichten, was mir aber relativ egal ist. Eine Kamera mit gut platzierten Bedienelementen braucht kein Touchdisplay.  Die Displayhelligkeit regelt sich leider nicht automatisch und muss über das Hauptmenü verstellt werden.
Erfahrungsbericht zur Fujifilm X100S (16.01.2016)
Weniger gut gefällt die Greifbarkeit des Blendenrings. Er lässt sich nur an zwei Stellen greifen, was gewöhnungsbedürftig ist. Das Daumenrad, welches div. Zusatzfunktionen aufruft, ist zwar gut platziert, lässt sich aber aufgrund der „billigen“ Ausführung schlecht bedienen. Auf gleich schlechtem Niveau präsentiert sich das Navigationsrad zum Navigieren durch die Menüs. Um die Liste der Negativeindrücke zu vervollständigen, seien hier noch der Ein- und Ausschalter sowie das Kameragehäuseober- sowie Unterteil erwähnt. Ich bin mir nicht sicher, ob der Ein- und Ausschalter aufgrund des gebrauchten Zustands meiner X100 so wackelig und hakelig ist oder ob dies schon bei neuen Exemplaren ebenso der Fall ist. Fakt ist, der Ein- und Ausschalter macht einen mechanischen Eindruck, der einer 1100Euro teuren Kamera nicht würdig ist. Ebenso wirkt das Ober- und Unterteil des Kameragehäuses. Es scheint aus Kunststoff zu bestehen, was den Lackabrieb, verursacht durch die Laschen des Trageriemens, an meiner X100S erklären würde. Die Kamera mag zwar darunter aus Magnesium sein, aber der Teil, den man mit den Händen berührt, ist es eben nicht. Dies ist einer solchen Kamera nicht würdig.
Mit dem Autofokusbetrieb der Fuji bin ich sehr zufrieden. Die Ausschussquote unscharfer Bilder ist sehr gering. Laut div. Testberichten war dies bei dem Vorgängermodell noch anders. Die neueste Ausgabe der X100 mit der Bezeichnung X100T wurde in diesem Punkt noch weiter verbessert. Fuji ruht sich auf seinen Lorbeeren nicht aus, sondern verbessert die X100 stetig weiter.
Zusammengefasst ist die Bedienung gelungen, aber noch verbesserungsfähig. Die Verarbeitungsqualität ist nicht konsequent auf einem Level gehalten. Einige Teile der Fuji sind wirklich hochwertig gearbeitet, wohingegen andere Komponenten scheinbar einer Billigkamera entsprungen sind.
FujiX100S - F5.6 - 1/30sec - ISO800
FujiX100S - F2 - 1/8sec - ISO3200 - Blitz aktiviert
FujiX100S - F2 - 1/30sec - ISO3200 - Blitz aktiviert
Die Fuji X100S trumpft in dieser Disziplin richtig auf! Schon bei den ersten Probeaufnahmen war ich hin und weg! Sie liefert scharfe und farbenfrohe Fotos, ohne dabei zu dick aufzutragen. ISO-Werte bis 3200 sind überhaupt kein Problem. Das bin ich  von meiner Canon EOS 7D nicht gewohnt. Wenn es sein muss, liefert sie auch bei ISO6400 noch sehr gute Ergebnisse. In diversen Internettests wird sogar behauptet, dass der Bildsensor der Fuji X100 auf Augenhöhe mit Vollformatsensoren bzgl. ISO-Qualität ist. Dies bezweifle ich keinen Augenblick lang.
Hinzu kommt die wohl beste Aufhellblitzsteuerung auf dem Markt. Dies ist eine Stärke von Fujifilm. In 95% der Fälle passt die Blitzbelichtung perfekt. Ein nachträgliches Reduzieren oder Erhöhen der Blitzstärke ist bei der X100 nicht nötig. Da können sich Canon und Nikon eine Scheibe von abschneiden! Die Entwickler bei Fuji haben hier richtig Hirnschmalz hineingesteckt. Dadurch eignet sich die Kamera perfekt für spontane Familienfotos, egal ob bei Sonnenschein im Freien oder bei Kerzenlicht auf einer Feier. Das Foto mit Blitz wird immer perfekt!
Stärken
Bildqualität bzgl. Farben, Schärfe und Bildrauschen
Hervorragend geeignet für Fotos bei Nacht und schlechten Lichtverhältnissen
Überdurchschnittlich gute Aufhellblitzsteuerung
Einzigartiger, kombinierter, optischer und elektronischer Sucher
Schwächen
Verarbeitungsqualität lässt teilweise zu wünschen übrig
Akkulaufzeit - Ersatzakku ist Pflicht
Kein standard USB-Kabelanschluss
Sehr gut finde ich den optischen Sucher, der sich auf Knopfdruck in einen digitalen Sucher verwandelt. Selbst im optischen Modus werden wichtige Informationen im Sucher eingeblendet. Hier können die Vorteile beider Welten genutzt werden. Dies ist bisher einzigartig. Den digitalen Sucher kann man gut für das manuelle Scharfstellen verwenden. Manuelles Scharfstellen geht für eine spiegellose Kamera recht gut von der Hand. Hier habe ich schon deutlich Schlechteres erlebt. Dennoch wird man diese Kamera hauptsächlich im Autofokusbetrieb benutzen. Wer den manuellen Fokus einer echten DSLR gewöhnt ist, wird bei spiegellosen Systemen mit elektronischem Sucher sowieso meistens enttäuscht.

by Tomi K.
ToKoFoto.de